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|Teil 1 | Das Paradies mitten im Indischen Ozean - Zanzibar

Die Pirateninsel.

Assoziiert mit weißen Sandstränden, türkisem, glasklaren Wasser, Sonne und Palmen.

Ein richtiges Urlaubsparadies und offenbar sehr beliebt für die Flitterwochen.

Vielfach angepriesen und schmackhaft gemacht.

Gut geeignet, um sich in seinen Tagträumen genau dorthin zu flüchten.

 

Als Hauptumschlagpunkt des Sklavenhandels im 19. Jhd. bekannt und mit der vorherrschenden Armut der Bevölkerung, könnten die Kontraste größer nicht sein.

 

Einerseits die wunderschöne Natur. Im Zentrum der Insel alles grün, umrandet von traumhaften Sandstränden und kristallklarem, türkisem Wasser. Die Farben so intensiv, noch schöner als in der Vorstellung.

Kiten, Tauchen, Schnorcheln,Segeln, Hummer essen, Champagner schlürfen, Massagen genießen, in 5-Sterne Hotels abhängen. Alles, was das Herz begehrt.

Als Tourist kann man dort leben wie ein König.

Mal so richtig abschalten, eine gute Zeit haben, die Sonne genießen und den ganz normalen Alltagswahnsinn ausblenden.

Gut umsorgt in den Ressorts und wohl behütet durch das bewaffnete Sicherheitspersonal.

 

Unser Security sieht übrigens aus wie Morgan Freeman. Er freut sich jeden Tag des Lebens, wenn wir ihn mit „Morgen, Morgan!“ grüßen. Ich weiß nicht einmal, ob er seinen vermeintlichen Zwillingsbruder überhaupt kennt.

 

Auf der anderen Seite der Tore: die Einheimischen.

Mit mehreren Generationen hausend in ihren Lehmhütten können sie sich gerade so über Wasser halten und sich zum Abendbrot einen Topf Reis teilen.

Es passieren Raubüberfälle, Schießereien und Einbrüche.

Wir haben sogar einen Local vor dem privaten Haus, der für die Sicherheit verantwortlich ist. Er steht oft versteckt hinter einem Busch und man sieht nur, beim genaueren Hinsehen, seine weißen Augen aufblitzen. Doch kann man ihm wirklich trauen?

Es ist ein gespaltenes Verhältnis zwischen der Offenheit und Herzlichkeit; dem Vertrauen und auf der anderen Seite ist wiederum ein Misstrauen zu spüren.

 

Bevor ich überhaupt anfange als Kitelehrerin zu arbeiten, weiß irgendwie schon jeder in der näheren Umgebung Bescheid. Als eine Woche später eine Kontrolle für die Arbeitserlaubnis vollzogen wird, fällt mir ein Smalltalk mit einem Bankangestellten in Stonetown wieder ein. Ein ungutes Gefühl, ich werde vorsichtiger.

Als privilegierte Deutsche schwer vorstellbar wie anders die Abläufe hier sind. Zudem gibt es jeden Tag Fälle von Korruption zu beobachten.

 

Die Ungerechtigkeit ist deutlich spürbar. An einem Abend wird den Dorfbewohnern das Wasser abgedreht, nur um in einer Privatvilla den Garten zu bewässern. Mein Chef bestellt ihnen einen Wassertank. Für´s Erste.

„Glück gehabt, in Europa geboren worden zu sein.“ schießt es mir durch den Kopf und finde es gleichzeitig einfach nur unfair, dass die Chancen so ungleich verteilt sind.

 

Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, bieten einige Massai ihren Perlenschmuck und geschnitzte Holzfiguren am Strand an, während die Frauen auf den Algenplantagen arbeiten oder Tücher anbieten.

Glücklicherweise trifft man sie immer genau zum richtigen Zeitpunkt an. Egal zu welcher Tageszeit machen sie einem „das Super-Sonderangebot“ und es ist irgendwie immer „Happy-Hour“.

 

 

Lucky Me.

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