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|Teil 2| "Pole Pole" - Inspiration Zanzibar

Direkt nach der Ankunft unterhalte ich mich mit einem Massai. Er lebt auf Zanzibar, um von dem Verkauf von Handwerksprodukten, seine Familie auf dem Festland Tansanias durchzubringen.

Er möchte außerdem seinen Geschwistern eine Möglichkeit auf Bildung bieten.

„Wo schläfst du denn?“ frage ich ihn.

„Dort auf dem Boden von meinem Shop.“ antwortet er und deutet auf eine kleine Ecke seines Zeltes zwischen den vollgestopften Regalen.

Er hat sichtlich Freude daran, sich mit mir auszutauschen. Er fragt mich nach einigen englischen Wörtern und versucht mit einer kindlichen Schrift diese in den Sand zu schreiben. Dies ist wohl seine einzige Möglichkeit, sich weiterzubilden. Ich muss schlucken.

 

Dann bringt er mir die wichtigsten Suaheli Grundlagen bei. „Jambo“ (Hallo!), „Mambo vipi“ (Wie geht’s?), „Poa“(Gut.) und "Karibu sana!" (Herzlich Willkommen).

„Pole pole“ ist eines der wichtigsten Ausdrücke. Es bedeutet „Langsam,langsam“ und beschreibt – wie ich immer wieder feststellen werde - das Lebensgefühl auf der Insel. Während der Neuankömmling in seinem gewohnten Tempo läuft, isst oder sich mit Sonnencreme einschmiert, schmunzelt der Local zunächst.

Im Laufe der nächsten Tage merkt ein jeder dann doch auch recht zügig, dass die Entschleunigung irgendwie Sinn macht bei knapp 40°C und passt sich dem schnell – oder besser gesagt langsam- an.

 

 

Als ich mit meinem Kite über eine Sandbank laufe, tobt eine ganze Meute aufgeweckter Kinder um mich herum. Sie jagen dem Schatten von dem Kite hinterher und lachen.

Die Leichtigkeit und Lebensfreude ist schön.

 

Bei einer anderen Begegnung streckt mir ein schätzungsweise 4-Jähriger seine Hand entgegen und sagt nur ein Wort : „Dollar!“. Sein Blick ist kalt und er hat einen harten Ausdruck in den großen braunen Augen. Wie krass, er ist doch noch so klein und unschuldig.

 

So vergehen die ersten Tage und Wochen und ich tue mich schwer, das Ganze irgendwie einzuordnen. Die Kultur und das Leben sind einfach so anders.

Trotzdem genieße ich die Sonne, den Strand, das Meer, das Kiten. Wenn einmal 5 Schirme bei uns am Himmel sind, ist schon viel los. Wir haben quasi immer eine private Lagune.

 

Dann treffe ich den Massai aus dem Shop wieder. "Sista, how are you? You must drink more coke!".

Verwirrt starre ich ihn an, nuschel ein "Poa." vor mich hin und denke nur so "Hä?".

Zucker ist doch eigentlich voll ungut. Wie ist denn das jetzt gemeint?

Mit einem breiten, weißen Grinsen, fast übermütig, mustert er meine Verwirrung.

Als mir dämmert, dass es eine Anspielung auf meine Hautfarbe ist, fange ich laut an zu lachen. Der Typ hat ja einen schrägen Humor!

Und ich eine sehr lange Leitung...

Am Ende einigen wir uns darauf, dass ich mehr Kola trinke und er mehr Milch.

 

Es kommen einige windlose Phasen.

Zum Glück habe ich das nötigste Handwerkszeug mitgenommen und meinen Hängebohrmotor neben meinen Kitekram ins Bag gestopft.

 

Bei der Fährüberfahrt von Dar es Salaam nach Stonetown wird mein Gepäck kontrolliert. Eine stämmige Frau mit ernster Miene guckt mich an, runzelt die Stirn und zeigt auf den Motor. Sie möchte wissen, was ich hier anschleppe. Ich versuche ihr zu erklären, dass es eine „drilling machine“ sei. Doch ihr fragender Blick verrät, dass ich kein Stück zum weiteren Verständnis beigetragen habe. Ich versuche nach Worten ringend, ihr mit Händen und Füßen zu erklären, was man denn so mit einer „drilling machine“ macht. Entweder deute ich ihren Gesichtsausdruck völlig falsch, oder sie hat immer noch keinen blassen Schimmer. Das Gespräch zieht sich noch eine ganze Weile in die Länge. „I don´t understand.“ - „I don´t know how to explain.“ Als sie auch noch anfängt über den Metallhaken an meinem Trapez zu rätseln, steigt der Kompliziertheitsgrad. Denn auch „Kiting“ scheint etwas Unbekanntes für sie zu sein. Als ich langsam nervös werde, winkt sie mich dann doch durch.

Na, das ist ja eine interessante Sicherheitskontrolle. Ohne der Erkenntnis auch nur ein kleines bisschen näher gekommen zu sein, darf ich diese komischen Gegenstände dann doch mitnehmen. Vielleicht sehe ich mit meinen blonden Haaren auch einfach nicht nach einem so hohen Gefahrenpotential aus. Damit gebe ich mich zufrieden und suche mir einen Platz an der Reling.

 An der Kitestation beim "auf den Wind warten" und Däumchen drehen, überlege ich mir, was ich denn nun vor Ort mit einfachsten Mitteln anfertigen könnte.

 

Als ich am Strand entlang schlendere, sammele ich viele schöne Muscheln, Korallenstücke, die überall herumliegen und Kokosnussschalen.

 

Ich fasse den Entschluss irgendetwas „Surfermäßiges“ zu machen – ist ja auch nicht besonders weit hergeholt- und fange an etwas in meiner Kladde zu skizzieren.

 

Schließlich habe ich einige Entwürfe und eine Lösung gefunden, meine Vorstellung auch ohne Löten oder weiteren Schnick Schnack umzusetzen.

Es wird ein Kettenanhänger in einer an ein Surfboard angelehnten Form mit Sägemuster aus Silber und dem gesammelten Kokosnussholz.

Er wird beweglich durch eine Nietverbindung an der Aufhängung.

Das ist der Plan und ich fange an, mit meiner Feile das Holz zu bearbeiten.

 

 

Et Voilà, hier ist das Resultat:  


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